Didaktische Felder

Die Lernzielbereiche der einzelnen Spielorte

Für die Schlaumäuse wurde eine ganze Welt geschaffen, in der die Kinder sich von einem Schauplatz zum anderen bewegen können und dort die vielfältigsten Spiele und Übungen finden. Diese verteilen sich auf vier Lernzielbereiche des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung, sodass den einzelnen Spielen immer ein bestimmtes Lernziel zugrunde liegt.

Die jeweiligen Spielideen und die Übungen sind leicht zu verstehen, weshalb die Kinder weitgehend eigenständig spielen können. Die jeweiligen Übungen der einzelnen Lernzielbereiche können von den Kindern in beliebiger Reihenfolge bearbeitet werden. Die folgende Übersicht zeigt, welche Spiele zu welchem Lernzielbereich gehören.
Die Schlaumäuse decken vier grundlegende Lernzielbereiche des Spracherwerbs und der Sprachentwicklung ab:
mündlicher Sprachgebrauch
Lautbewusstsein
erstes Lesen
erstes Schreiben
Ein erstes Lernziel ist die Verbesserung des mündlichen Sprachgebrauchs. Hierzu zählt die Vervollständigung des Grundwortschatzes, also in erster Linie von Wörtern, die entweder häufig sind, Rechtschreibmuster und -regeln repräsentieren oder im Sprachgebrauch der Kinder bedeutsam sind. Neben dem Erlernen und Einprägen von Wörtern geht es ausserdem um die Beherrschung ihrer bedeutungstragenden und grammatischen Morpheme. Diese "Wortstämme" und " Wortbausteine" sind auch deshalb für den mündlichen Sprachgebrauch so wichtig, weil sie auf eine nicht festzulegende Zahl von weiteren Wörtern übertragen werden können. Auch diese geistige Transferleistung trainieren die Kinder mit den Schlaumäusen. Darüber hinaus wird auch der Gebrauch des Fachwortschatzes zu verschiedenen Wissensgebieten (zum Beispiel Natur und Lebenswelt, Körper und Gesundheit, Naturwissenschaft und Technik) geübt, sodass die Kinder neben ihrem Alltags- auch ihren Fachwortschatz erweitern und sicherer beherrschen.

Ein zweiter Lernzielbereich umfasst das Lautbewusstsein. Das Lautbewusstsein ist unerlässlich für den späteren Schriftspracherwerb, weshalb sich Kenntnisse auf diesem Gebiet positiv auf das Schreiben- und Lesenlernen auswirken. Zum Lernzielbereich gehören die phonologische Bewusstheit, Kenntnisse zur Strukturbildung sowie zur Graphem-Phonem-Korrespondenz.

Die phonologische Bewusstheit bezeichnet "die Fähigkeit, bei der Aufnahme, der Verarbeitung, dem Abruf und der Speicherung von sprachlichen Informationen Wissen über die lautliche Struktur der Sprache heranzuziehen". (Wagner/Torgesen 1987) Dafür müssen Kinder in der Lage sein, sich vom Bedeutungsinhalt der Sprache zu lösen, und begreifen, dass Sätze aus Wörtern, Wörter aus Silben und Silben aus Lauten aufgebaut sind und dass manche Wörter länger und andere kürzer sind. Es geht darum zu erfassen, was der erste Laut eines Wortes ist, wie es endet und dass manche Wörter sich reimen.

Bei der Strukturbildung geht darum, dass die Kinder lernen, Laute bewusst wahrzunehmen, Wörter in Sprechsilben zu zerlegen und aus Silben Wörter richtig zusammenzusetzen. In den Übungen können die Kinder durch Ausprobieren, Abhören und Kombinieren von Silben selbstständig die Lösung der Aufgabe finden.

Bestandteil des Lautbewusstseins ist die Kenntnis der Graphem-Phonem-Korrespondenz. Grapheme sind die kleinsten bedeutungsunterscheidenden graphischen Einheiten des Schriftsystems einer bestimmten Sprache. Sie fassen also bedeutungsgleiche Graphen in gemeinsame Klassen zusammen. Ein bestimmter Laut in einer gesprochenen Sprache, ein Phonem, kann auf verschiedene Weise geschrieben werden. So ist in den Wörtern "Schrift" und "Sprache" der Wortanfang das Phonem /?/ einmal mit dem Graphen "Sch" und einmal mit dem Graphen "S" dargestellt. Ähnliches gilt für die Wörter "Flug" und "Vogel". Das Phonem /f/ wird durch die unterschiedlichen Graphen "f" und "v" repräsentiert. Die meisten Schriftsysteme haben sich in ihrer Geschichte so entwickelt, dass es keine eindeutige Beziehung zwischen Lauten und Buchstaben gibt. Dies gilt auch für die deutsche Sprache. So kann das Graph "s" für verschiedene Grapheme stehen, die wiederum verschiedene Phoneme widerspiegeln, zum Beispiel "s" für /?/ in "Strafe", "s" für /z/ in "Sand" oder "s" für /s/ in "Maus".

In den Spielen und Übungen des Lernzielbereichs zum ersten Lesen lernen die Kinder spielerisch das Lesen auf Wortebene und das sinnentnehmende Lesen auf Satzebene, um Grundfertigkeiten des Lesens nach und nach herauszubilden. Die Kinder üben sich im sinnkonstruierenden Lesen einfacher Einzelsätze sowie im lautsynthetischen Erlesen eines Wortes im Satzzusammenhang. Bei der Lösung der Aufgaben dieses Lernbereichs kommen die Strategien Lautsynthese und Sprachverstehen zur Anwendung, wobei die Kinder das folgerichtige Zusammensetzen von Lauten sowie das Sprachverständnis trainieren.

Das Lernfeld zum ersten Schreiben hilft den Kindern dabei, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass es eine vereinbarte Schreibweise gibt, die an bestimmte Regeln gebunden ist. Sie sammeln in den Übungen dieses Lernzielbereichs erste Erfahrungen mit der Orthografie vom lauttreuen zum normierten Schreiben von einzelnen Wörtern. Durch Buchstabenbilder wird dieser Prozess unterstützt, die alle im Wort vorkommenden Laut-Buchstaben-Kombinationen veranschaulichen und die das Vorschulkind auditiv und visuell untersuchen kann. Der Lernzielbereich eignet sich auch für die Kinder, die bislang noch keinerlei Buchstabenkenntnisse erworben haben. Die Kinder gewinnen allmählich immer mehr Einsichten in das Schreiben und erhalten erste Einblicke in die Orthografie.

Sowohl beim ersten Lesen als auch beim ersten Schreiben hilft eine speziell gestaltete Anlauttabelle. Hier finden die Kinder alle typischen Laute (Phoneme). Neben jedem Laut ist mindestens ein Objekt abgebildet, dessen Name mit diesem Laut beginnt. Die Kinder können mithilfe dieser Tabelle das Schriftbild eines Wortes Laut für Laut zusammensetzen. Im Umgang mit der Anlauttabelle erfahren die Kinder, wie Sprache verschriftet wird. Sie lernen die Laut-Buchstaben-Zuordnung, die Zerlegung eines Wortes in seine Lautbestandteile und die lauttreue Verschriftung.

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