Kindergarten Fuchsloch

Mit dem Computer fürs Leben lernen

Die fünfzehn Kinder zwischen vier und sechs Jahren im Kindergarten Fuchsloch sind in heller Aufregung: Heute Morgen stehen wieder einmal die Schlaumäuse auf dem Programm, die Lernsoftware mit den lustigen Liedern, den kniffeligen Worträtseln und den herzigen Mäusen.

Die Aufgaben rund um Laute, Buchstaben, Wörter, Reime und Sprachspiele aller Art können einzeln oder von mehreren Kindern gelöst werden. Die Lernspiele sind selbsterklärend und lassen es zu, dass man gemeinsam spielen und sich gegenseitig helfen kann. Kindergärtnerin Sarah Hotz lässt die Kinder wenn immer möglich selbst entscheiden, wie sie vorgehen. «Die Schlaumäuse fördern die Selbstständigkeit und das soziale Verhalten der Kinder», sagt sie - und das ist ihr genauso wichtig wie das eigentliche Lernen.

«Komm, wir spielen das Gedächtnisspiel im Hörwürfel», schlägt Margaret, die zur Gruppe hinzugestossen ist, vor. «Die Worte klingen so lustig.» Bei diesem Spiel werden das Gedächtnis und das Erkennen des Wortklangs geschult. Nelly tippt das Spiel mit der Maus an, und los gehts: Wörter, die sich reimen, müssen einander zugeordnet werden. Lolli fordert die drei Kinder auf, eine Karte aufzudecken und eine zweite dazu passende zu finden. «Was reimt sich auf Zeh?» Nelly, Erjon und Margaret sprechen sich ab; dann klickt Erjon eine Karte an. «Tisch», ertönt eine Stimme. Nein, das kann nicht stimmen, das reimt sich nicht. Nun ist Lolli am Zug. Die virtuelle Figur zeigt den Kindern, was zum Wort Zeh passen könnte: Wie wäre es denn mit «Reh»?
Die Kinder spielen sehr gerne mit der Schlaumäuse-Software. Das merkt man auch an diesem Morgen. Jeder will zur ersten Gruppe gehören, welche den Computer mit der Schlaumäuse-Software nutzen darf. Die beiden 6-jährigen Nelly und Erjon orientieren sich flink auf dem virtuellen Spielplatz - der Startseite des Programms - und wählen zusammen einen Lernspielort aus. Sie werden von Lolli und Pop begleitet, zwei Spielfiguren mit strubbeligen Haaren und einer ganzen Menge Grips. Und natürlich sind auch die Schlaumäuse dabei.

Nun ist Rina (5 Jahre) an der Reihe. Sie meldet sich auf der Startseite der Lernsoftware mit ihrem persönlichen Erkennungssymbol an. Rina wählt das Lernspiel Mäusetheater aus und bittet ihre ältere Spielgefährtin Angela (6 Jahre), ihr dabei zu helfen. In diesem Spiel geht es um mündlichen Sprachgebrauch, im Besonderen um den Gebrauch der Alltagssprache. Die «Requisiteurin» gibt aus dem Hintergrund Anweisungen, welche die Kinder in Handlungen umsetzen. Auf jede Aktion bekommt das Kind eine Rückmeldung. Für die Abendaufführung des Mäusetheaters müssen Rina und Angela die Kulisse vorbereiten. Überall am Boden liegen Dinge herum, die an ihren Platz müssen. «Mal den weissen Stern über der Tür mit dem gelbem Pinsel an!». Bald ist für den lustigen Auftritt der Mäuse im Theater alles vorbereitet.

Nina und Lenz, beide 6 Jahre alt, schliessen sich Rina und Angela an. «Die Wippe macht viel mehr Spass! Wollen wir nicht das Spiel wechseln?», schlägt Angela vor. In dem Lernspiel werden Wörter aus Silben zusammengesetzt oder in Sprechsilben zerlegt. Heisst es E-le-fant oder E-fant-le? Zu viert ist gleich viel mehr los. Die Schlaumäuse sind aber geduldig mit den Kindern und wiederholen die Aufforderungen. So geht es munter weiter, bis jedes Kind einmal an der Reihe war. Schritt für Schritt lösen die Mädchen und Jungen die lustigen Aufgaben; sie sprechen und singen, sie reimen und tippen Buchstaben. So ganz nebenbei erweitern sie dabei ihren Wortschatz und machen die wichtige Erfahrung, dass Sprache Spass macht - und dass Lernen eine tolle Sache ist.

«Mi, Ma, Maus - das Zimmer sieht gut aus. Tapete steht den Wänden gut, Farbe macht uns frohgemut! », tönt es am Ende des Vormittags im Kindergarten. Alle Kinder singen lauthals mit. Das Lied ist Beispiel für eine Belohnung - die zu jedem erfolgreich absolvierten Lernspiel dazugehört. So sind die Kinder immer wieder motiviert und ermutigt, neue Aufgaben anzugehen und spielerisch Sprache und Schrift zu erkunden.

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